"Mit Blick auf den Ton" zum Figurenfilm von Kerstin Bohlin

Beispiel >>Zentrum Forschung & Entwicklung<<

- aus den Geschichten der kleinen Kuh -

 

 

 

Die Vertonung des Films " Zentrum Forschung & Entwicklung " basiert auf vorherrschend stimmungsvermittelnden Techniken der Tonkomposition. Das Mittel der Paraphasierung schafft zwischen der bildnerischen Dramaturgie sowohl einen weichen stimmungsvollen †bergang von einem Handlungsstrang zum anderen als auch deren Abgrenzung und Distanz voneinander.

 

Eine durchgehend wiederkehrende Abfolge von Soundsequenzen unterstŸtzt den handlungstragenden Rhythmus. Diese Sequenzen sind dicht kulminiert im Verlauf und bleiben akzentfrei fŸr das offene Ende. Die Musik liefert neben den Bildern eine weitere situationsverŠndernde Keynote. Sie dient dem Zuschauer als VerstŠrker, der die Handlung und Eindruck auf die Figuren musikalisch parallel wiedergibt.

 

Klassisch hierfŸr ist die unterstŸtzende Funktion der Musik, die dem Betrachter bildimmanente ErklŠrungen vermittelt, ohne den Anspruch auf eine eigenstŠndige sinnfŸhrende Metaebene zu haben.

 

Mit Hilfe der Mood-Technik werden die eingeschrŠnkten Mšglichkeiten der Figuren in Bezug auf Bewegung und  Ausdruck erweitert. Das hei§t: steife AblŠufe des Bewegungsapparates und die starre Physiognomie der figŸrlichen Darsteller sind mit zielgerichteten Soundpattern expressiv belebt und deren innere und Šu§ere EindrŸcke als GefŸhl musikalisch reprŠsentiert.

 

Zum Abschluss einen Blick auf die Schwermut der Handlungsebene und die Tragik der Figuren:

kommentativ gesetzte Tšne und GerŠusche sorgen durch Verfremdung einerseits fŸr Belustigung andererseits fŸr die kritische Auseinandersetzung mit dem Leinwandgeschehen. So schafft Musik, wozu die Figuren ob der dŸsteren Geschichte nicht in der Lage sind; den Weg vom Leid zurŸck ins heiter Spielerische mit einem lŠchelnd ironischen Wimpernschlag in Richtung des Betrachters.

Kerstin Bohlin 2009